Bamberger
Ehepaar-Panel 2002
An der Sozialwissenschaftlichen Forschungsstelle der Universität
Bamberg wurden in den Jahren von 1988 bis 1996 zwei Längsschnittstudien
durchgeführt. Das Bamberger-Ehepaar-Panel (gefördert durch
das Bundesministerium für Familien und Frauen, Jugend und Senioren)
sowie das Bamberger-NEL-Panel (gefördert durch das Bayerische
Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und
Frauen). Beide Studien haben junge Paare über sechs Jahre hinweg
in ihrer Beziehungs- bzw. Familienentwicklung begleitet. Während
der Beobachtungszeit (1988 bis 1996) wurden von einem Teil der Paare
die Wünsche und Pläne zur Familiengründung in die
Realität umgesetzt doch längst nicht von allen!
Gegenstand der Untersuchung
Somit konnte nun in einer abschließenden Befragung im Jahr
2002 die Familienentwicklung insgesamt abgebildet werden: Die Wege
in die Familie, Hemmnisse auf diesem Wege, die familialen Arrangements,
mütterliche und väterliche Biographien können nun
differenziert untersucht werden.
Entsprechend konnten neben einer generellen vertieften Analyse
familialer Entwicklungsverläufe insbesondere folgende Themen
bearbeitet werden: Gründe für die Diskrepanz gewünschter
und realisierter Kinderzahl, Hintergründe von (gewollter und
ungewollter) Kinderlosigkeit sowie die Entwicklung und Situation
großer Familien.
Das Projekt verfolgt demnach drei inhaltliche Schwerpunkte:
a)
Familiengründung und Familienentwicklung allgemein
b) Besondere
Aufmerksamkeit wird der Entwicklung von Kinderlosigkeit gewidmet.
c) Große
Familien
Methode
Auch die fünfte und letzte Befragung der Ehepaare erfolgte
überwiegend mündlich durch geschulte Interviewer(innen).
Die Studie arbeitete mit weitestgehend standardsierten Fragebögen,
die auch einen telefonischen Einsatz zuließen. Es wurden ingesamt
566 Ehepaare erreicht, das entspricht 37% der Ausgangsstichprobe
von 1988. Da in nahezu allen Fällen beide Partner teilnahmen,
liegen 1.098 Interviews zur Auswertung vor.
Erste Ergebnisse
Nach 14 Jahren Ehe ist der Familienbildungsprozess für nahezu
alle Paare abgeschlossen. Nur knapp 6% der Befragten geben an, sie
würden gerne ein weiteres Kind bekommen. Die Ehepaare haben
zu 91% eine Familie gegründet; 9% sind bis dato kinderlos geblieben.
Die Kinderlosigkeit entspricht allerdings nur bei knapp einem Viertel
den Lebensplänen der Befragten, denn das Gros der kinderlosen
Paare hatte ursprünglich durchaus den Wunsch, eine Familie
zu gründen. Ein Fünftel der Paare hat ein Kind, gut die
Hälfte zwei Kinder. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung
sind kinderreiche Familien mit knapp 18% (15,3% haben drei und weitere
2,5% vier oder mehr Kinder) in der Stichprobe leicht überrepräsentiert.
Die Familienentwicklung verlief bei 78% der Paare wunschgemäß.
Wer mit seiner Familienbiografie nicht zufrieden ist, wäre
großteils lieber früher Mutter bzw. Vater geworden, fände
einen kürzen Abstand zwischen den Geburten besser und/oder
hätte gerne eine größere Familie. Diese Haltungen
sind allerdings typisch für kleinere Familien. Von den Befragten
mit drei oder mehr Kindern äußern manche im Nachhinein,
sie hätten eigentlich lieber weniger Kinder.
Die Entwicklung der ehelichen Beziehung über 14 Jahre hinweg
wird als überwiegend frei von großen Krisen dargestellt,
wobei zu beachten ist, dass hier nur stabile Ehen einbezogen wurden
(geschiedene und/oder getrennte Paare konnten nicht weiter befragt
werden). Knapp jede(r) fünfte Befragte gibt zu, dass es ernste
Schwierigkeiten in der Partnerschaft gegeben habe, demgegenüber
haben 77% der Ehepartner über eine Scheidung nie ernsthaft
nachgedacht.
Auf der Basis der Befragung beider Partner sind spezifische Informationen
zur wirtschaftlichen Situation der Paare vorhanden: So kann als
ein interessanter Teilaspekt, der materiellen Lage der Beitrag der
Ehepartner zum Haushaltseinkommen dargestellt werden. In der Regel
erzielen die Männer das höhere Einkommen. Bei über
90% der Paare ist dies der Fall. Nur bei kinderlosen Ehen kommt
es etwas häufiger (bei 18%) vor, dass die Frau gleich viel
oder mehr verdient als ihr Ehegatte.
Projektinfo
Eigenprojekt des ifb; gefördert durch
das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung,
Familie und Frauen
Laufzeit: 1/2002 bis 12 /2003
Projektleitung und -bearbeitung: Prof.
em. Dr. Dr. h.c. Laszlo A. Vaskovics,
Dipl.-Soz. Harald Rost (Tel. 0951/96525-18), Dr.
Marina Rupp (Tel. 0951/96525-27)
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