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Die Bildungs-, Erwerbs- und Karrierechancen von Frauen haben sich
in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Schnell wird aus
diesen Tendenzen geschlossen, dass auch die Arbeitsteilung in der
Familie besser klappt und sich Männer zum Beispiel verstärkt
an der Hausarbeit beteiligen, vor allem dann, wenn sich ihre Partnerinnen
im Berufsleben engagieren. Doch weit gefehlt: Eine Studie an der
Universität Bamberg zeigt, dass die Arbeitsteilung in der Ehe
nach wie vor stark an herkömmliche Normen, Rollen, Identitäten
und Trägheiten gebunden ist - und handfeste ökonomische
Argumente (wie Einkommenshöhe, Erwerbstätigkeit und Bildungsniveau
der Ehepartnerin) nicht die positive Bedeutung haben, die ihnen
häufig zugeschrieben wird. Zeigen zu Beginn der Ehe etwa die
Hälfte der Paare eine "partnerschaftliche" Arbeitsteilung
bei der Hausarbeit, so sinkt dieser Anteil nach 14 Ehejahren auf
nur noch 15 Prozent ab. Das heißt, 85 Prozent der Ehepaare
sind dann "traditional" oder "sehr traditional"
im Haushalt organisiert.
Die Studie, die im Rahmen des DFG-Projekts "Innerfamiliale
Arbeitsteilung als Prozess" an der Otto-Friedrich-Universität
Bamberg unter Federführung von Prof. Dr. Hans-Peter Blossfeld
und dem Diplom-Soziologen Florian Schulz erstellt wurde, ist auf
der Grundlage von einzigartigen Längsschnittdaten über
Eheverläufe entstanden. Sie zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit
einer Beteiligung des Mannes an den Routinetätigkeiten im Haushalt
im Verlauf der Ehe systematisch abnimmt. Dieser Prozess vollzieht
sich dabei unabhängig davon, ob die Ehefrau im Vergleich zu
ihrem Ehemann viel oder wenig verdient bzw. vollzeit-, teilzeit
oder nicht erwerbstätig ist. Die Arbeitsteilung im Haushalt
wird vor allem nach der Geburt eines ersten Kindes sehr schnell
traditionell. Eine Umkehr dieser Tendenz wird mit zunehmender Ehedauer
aufgrund eintretender Routine immer unwahrscheinlicher.
Die radikale Vorstellung von einer Enttraditionalisierung, in deren
Folge auch eine vollständige Vertauschung der Geschlechterrollen
in der Hausarbeit möglich wird, bleibt nach dieser Studie jedenfalls
meist nur ein Wunschtraum.
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