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  Januar 2006
   
 

Von wegen: Männer machen mehr Hausarbeit...

   
  Neue Studie zur Situation der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung im Eheverlauf
   
 

Die Bildungs-, Erwerbs- und Karrierechancen von Frauen haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Schnell wird aus diesen Tendenzen geschlossen, dass auch die Arbeitsteilung in der Familie besser klappt und sich Männer zum Beispiel verstärkt an der Hausarbeit beteiligen, vor allem dann, wenn sich ihre Partnerinnen im Berufsleben engagieren. Doch weit gefehlt: Eine Studie an der Universität Bamberg zeigt, dass die Arbeitsteilung in der Ehe nach wie vor stark an herkömmliche Normen, Rollen, Identitäten und Trägheiten gebunden ist - und handfeste ökonomische Argumente (wie Einkommenshöhe, Erwerbstätigkeit und Bildungsniveau der Ehepartnerin) nicht die positive Bedeutung haben, die ihnen häufig zugeschrieben wird. Zeigen zu Beginn der Ehe etwa die Hälfte der Paare eine "partnerschaftliche" Arbeitsteilung bei der Hausarbeit, so sinkt dieser Anteil nach 14 Ehejahren auf nur noch 15 Prozent ab. Das heißt, 85 Prozent der Ehepaare sind dann "traditional" oder "sehr traditional" im Haushalt organisiert.

Die Studie, die im Rahmen des DFG-Projekts "Innerfamiliale Arbeitsteilung als Prozess" an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg unter Federführung von Prof. Dr. Hans-Peter Blossfeld und dem Diplom-Soziologen Florian Schulz erstellt wurde, ist auf der Grundlage von einzigartigen Längsschnittdaten über Eheverläufe entstanden. Sie zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Beteiligung des Mannes an den Routinetätigkeiten im Haushalt im Verlauf der Ehe systematisch abnimmt. Dieser Prozess vollzieht sich dabei unabhängig davon, ob die Ehefrau im Vergleich zu ihrem Ehemann viel oder wenig verdient bzw. vollzeit-, teilzeit oder nicht erwerbstätig ist. Die Arbeitsteilung im Haushalt wird vor allem nach der Geburt eines ersten Kindes sehr schnell traditionell. Eine Umkehr dieser Tendenz wird mit zunehmender Ehedauer aufgrund eintretender Routine immer unwahrscheinlicher.

Die radikale Vorstellung von einer Enttraditionalisierung, in deren Folge auch eine vollständige Vertauschung der Geschlechterrollen in der Hausarbeit möglich wird, bleibt nach dieser Studie jedenfalls meist nur ein Wunschtraum.

   
 

Kontakt

Universität Bamberg - Lehrstuhl für Soziologie I
Prof. Dr. Hans-Peter Blossfeld
Tel.: 09 51/8 63 - 2596
E-Mail: