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Die
Situation der Familienpflege in Bayern
Gegenstand
der Untersuchung
Erste Anfänge der Familienpflege
gehen in bis die 30er Jahre zurück, z.B. auf den Mütterdienst:
Parallel zu Müttererholungen wurden Kinder in der elterlichen Wohnung
versorgt. Andere Vorläufer sind Schwesterngemeinschaften und Familienpflegewerke.
Im ländlichen Raum entstand der Beruf Dorfhelferin. In den letzten
Jahren werden durch die Familienpflege zunehmend auch psychisch und/oder
schwerstkranke Mütter oder Väter begleitet, z.T. bis zu deren
Tod, während gleichzeitig deren Kindern in der häuslichen Wohnung
betreut werden. Trotz gestiegenen Bedarfs und erhöhter Anforderungen
ist die Forschungslage im Zusammenhang mit Familienpflege äußerst
schmal.
Familienpflege zielt auf die
Sicherung des Familienlebens, indem durch praktische Hilfen Not- und Krisensituationen
innerhalb der Familie überbrückt werden. Sie setzt dann ein,
wenn in besonderen Belastungssituationen die Weiterführung des Haushaltes,
die ausreichende Betreuung, Pflege und Erziehung der Kinder oder die Pflege
und Versorgung kranker, alter und pflegebedürftiger Familienangehöriger
nicht mehr selbst von der Familie geleistet werden kann (Caritas 1997).
Familienpflegedienste sind ambulante Dienste, betreuen also die Klienten
in deren häuslicher Umgebung.
Mit dem Projekt soll eine Erhebung
zur Lage der Familienpflege in Bayern durchgeführt werden, eine Bestandsaufnahme
ihrer Einrichtungen, Rahmenbedingungen, Beschäftigten- und Nutzerstruktur.
Der Schwerpunkt des Projektes liegt auf Hilfen nach §38 SGB V und
§§20 und 23 SGB VIII (KJHG) für Familien mit Kindern, in
denen mindestens ein Kind unter 12 Jahren (§38 SGB V) bzw. 14 Jahren
(KJHG) lebt. Bei der Erhebung auf Anbieterseite sollen vor allem die aktuellen
Strukturen hinsichtlich der organisatorischen, finanziellen und personellen
Rahmenbedingungen analysiert werden. Hierbei wird die Finanzierung von
Familienpflege einen Schwerpunkt bilden. Die Hauptleistungsträger
sind die Krankenkassen und - in geringerem Ausmaß - das Jugendamt.
Eine detaillierte Analyse soll
unter anderem die Zusammenhänge zwischen Angebot und Nachfrage klären,
wobei z.B. die Auswirkungen der Finanzierungsprobleme auf die Anbieterstrukturen
und die Einsatzbedingungen von Familienpflegerinnen untersucht werden
sollen. Einen weiteren Untersuchungsgegenstand bilden bereits vorhandene
Ansätze und weiterführende bzw. neue Möglichkeiten zur
Etablierung eines Qualitätssicherungskonzeptes in der Familienpflege.
In diesem Zusammenhang können z.B. auch Kriterien entwickelt werden,
die die Entscheidung zwischen einer Fachkraft oder einer Helferin in der
Einsatzplanung begründen. Schließlich ist die Einbettung der
Familienpflege in das Gesamtspektrum der ambulanten Pflege mit allen sich
daraus ergebenden Konsequenzen ein wichtiges Thema des Projektes.
Einen weiteren Aspekt der Untersuchung
wird die Überprüfung der Förderrichtlinien des "Bayerischen
Netzwerk Pflege" im Hinblick auf beabsichtigte und eingetretene Veränderungen
darstellen. Durch das "Bayerische Netzwerk Pflege" soll die Weiterführung
von Familienpflegestationen gefördert werden. Die in den Richtlinien
geforderte Vernetzung von Familienpflegediensten untereinander und die
Kooperation mit anderen ambulanten Diensten soll zu einer schnellen Hilfe
in Akutfällen und flächendeckender Versorgung beitragen.
In einem wichtigen Untersuchungsschritt
werden die Erfahrungen und Einschätzungen der Familienpflegerinnen
selbst erhoben. Ihre konkreten Arbeitsbedingungen, Anforderungen und Arbeitsschwerpunkte
in den Familien, Belastungs- und Unterstützungsfaktoren und Veränderungswünsche
sollen ausgewertet, Folgerungen für das Berufsbild der Familienpflegerin,
die Ausbildung und Professionalisierung ermöglicht werden.
Auf Nutzerseite sollen die
tatsächlichen Belastungssituationen und Probleme, familieneigene
Ressourcen (Generationenbeziehungen, soziale Netzwerke, die zur Unterstützung
aktiviert werden) und Erwartungen der Familien an Familienpflege erhoben
werden. Wichtig ist auch der Informationsstand der Familien über
das Angebot "Familienpflege". Mit diesen Ergebnissen soll abschließend
die Frage beantwortet werden, wie Familienpflege zukünftig beschaffen
sein muß, um Schwierigkeiten von Familien aufzufangen bzw. zu überbrücken.
Praxisbezug
Dem Projekt ist beratend ein
Beirat zugeordnet, bestehend aus Vertretern von Verbänden der freien
Wohlfahrtspflege, die hauptsächlich Familienpflege in Bayern anbieten,
und zwei Vertreterinnen des Berufsstandes.
Veröffentlichungen
ifb
- Materialien Nr. 3-2000: Gudrun Cyprian/Marina Rupp (unter MItarbeit
von Veronika Hammer): Familienpflege - Familiale Notsituation und ihre
Bewältigung
ifb
- Materialien Nr. 7-2000: Ursula Dallinger: Familienpflege in Bayern.
Die Situation der Familienpflegerinnen
ifb
- Materialien Nr. 9-2000: Ursula Dallinger: Wenn Familien Hilfe brauchen.
Tagungsdokumentation zur Situation der Familienpflege
ifb
- Materialien Nr. 5-2001: Ursula Dallinger: Familienpflege (Endbericht)
Projektinfo
Verbundprojekt
des Staatsinstitut für Familienforschung und des Forschungsschwerpunktes
Familienforschung an der Universität Bamberg im Auftrag des Bayerischen
Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen
und Gesundheit
Laufzeit: November 1997 bis
Dezember 2000
Projektleitung:
Projektbearbeitung: Dr. Ursula
Dallinger
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