Familiale
Arbeitsteilung in den Ländern der Europäischen Union Länderstudie
Deutschland
Noch immer werden Frauen durch die ungerechte
Verteilung der unbezahlten Arbeit benachteiligt. Der Beitrag von Männern
zur Hausarbeit und Kinderbetreuung ist deutlich geringer als derjenige
der Frauen.
Gegenstand
der Untersuchung
Vor dem Hintergrund dieser gesellschaftspolitisch
relevanten Problematik verfolgt das Forschungsvorhaben drei wesentliche
Zielsetzungen: Auf der Basis eines repräsentativen Datensatzes werden
einschlägige Theorien familialer Arbeitsteilung getestet. Insbesondere
wird die Aufteilung unbezahlter Arbeit in der Partner vom Bedarf im Haushalt,
von der verfügbaren Zeit der Haushaltsmitglieder, der Verteilung
des Humankapitals, den Ressourcen der Partner und den Geschlechtsrollenvorstellungen
untersucht.
Das vorhandene Theorienarsenal wird um eine
Reihe bislang wenig oder nicht geprüfter Bereiche erweitert: Geschlechtsidentität
und die Interaktion von Geschlechtsrollenvorstellungen der Partner, die
Entwicklung im Lebensverlauf, die Regulation durch wohlfahrtsstaatliche
Leistungen und den Zusammenhang mit der Partnerschaftsqualität.
Methodik
In Zusammenarbeit mit dem European Network
on Policies and the Division of Unpaid and Paid Work wurden einheitliche
Umfragen in europäischen Ländern durchgeführt. Die Wirkungsweise
der untersuchten Bedingungsfaktoren und die Bedeutung des Wohlfahrtsstaats
wird vergleichend analysiert. Daher werden nicht nur Lebensform, Erwerbskonstellation
oder Region (Ost-West) eingehender beschrieben, sondern auch die unterschiedlichen
Annahmen über Zusammenhänge und Einflussgrößen geprüft,
wie z.B. ökonomische Kalküle und geschlechtsspezifische Effekte.
Zum anderen wurde auch der Zeitaufwand für
Kinder und die Kinderbetreuung analysiert. Auch hier konnten empirische
Befunde wie die zu den "neuen Vätern" in eine größere
theoretische Systematik integriert werden (Walter/Künzler 2001).
Ergebnisse
Die Verteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung
folgt deutlich traditionellen Mustern, wobei die durch Erwerbsarbeit gebundene
Zeit ein zentraler Einflussfaktor ist. In Ostdeutschland hat sich seit
der Vereinigung eine Re-Traditionalisierung der Verteilung der Hausarbeit
ergeben; ostdeutsche Männer engagieren sich hier weniger als die
westdeutschen.
Kinderbetreuung ist für Mütter
meist eine Pflichtaufgabe mit hohem Anforderungsdruck, während sie
für Väter ein wählbarer Einsatz ist (Walter/Künzler
2001). Der schon im historischen Vergleich kaum zu entdeckende "neue Vater"
(Walter 2001b) spielt auch in der Gegenwart keine wesentliche Rolle.
Wohlfahrtsstaatliche Rahmenbedingungen regulieren
nicht nur die Geschlechterarbeitsteilung von bezahlter Arbeit, sondern
auch die von unbezahlter. Innerhalb ähnlicher Muster wohlfahrtsstaatlicher
Politik können sich dennoch unterschiedliche Kombinationen der Erwerbs-
und Haushaltspartizipation ergeben (Walter 2001a).
Resümee
Politikbezogene Schlussfolgerungen wurden
vor allem auf europäischer Ebene eingebracht und diskutiert (Walter
et al. 2001, Walter 2001a).
Da aus rein familenpolitischer Perspektive
der Erwerbsumfang die Ausübung unbezahlter Arbeit begrenzt, würde
eine Angleichung der Erwerbszeiten von Männern und Frauen durch eine
30 Stundenwoche für beide zu einer gleichgewichtigeren Verteilung
der häuslichen Pflichten führen. Der Umbau des Wohlfahrtsstaats
sollte konsequent auf das Ziel ausgerichtet werden, die Beteiligung von
Männern in Haushalt und Familie zu fördern und die Hindernisse
von Frauen und insbesondere Müttern bei der Erwerbsbeteiligung zu
beseitigen. Die Entlastung von Familien durch ausreichende und verlässliche,
zeitlich flexible Kinderbetreuung sollte Mütter und Väter in
der Ausübung ihres elterlichen Engagements unterstützen.
Veröffentlichungen
Künzler, Jan; Walter, Wolfgang, 2001
(i.E.), Arbeitsteilung in Partnerschaften. Theoretische Ansätze und
empirische Befunde, In: Huinink, Johannes u.a. (Hg.), Solidarität
in Partnerschaft und Familie - Zum Stand familiensoziologischer Theoriebildung,
Würzburg: Ergon
Künzler, Jan; Walter, Wolfgang; Reichart,
Elisabeth; Pfister, Gerd, 2001, Gender Division of Labour in Unified Germany,
WORC Report 01.04.07, Tilburg: Tilburg University Pr.
Walter, Wolfgang, 2001a (i.E.), Main Findings
of Germany and the Netherlands, In: Willemsen, Tineke u.a. (Hg.), New
Patterns of Work and Family in Europe, Brussels: CBGS
Walter, Wolfgang, 2001b (i.E.), Changing
Fatherhood: Between Illusion and Reality, In: Frinking, Gerard; Willemsen,
Tineke (Hg.), Living Apart Together. Understanding the Future of the Family,
Amsterdam: Rozenberg
Walter, Wolfgang; Künzler, Jan, 2001
(i.E.), Parentales Engagement. Mütter und Väter im Vergleich,
in: Matthias-Bleck, Heike; Schneider, Norbert (Hg.), Elternschaft heute,
Sonderheft der Zeitschrift für Familienforschung, Bd.1, Opladen:
Leske + Budrich
Walter, Wolfgang; Künzler, Jan; Reichart,
Elisabeth; Pfister, Gerd, 2001, Stalled Modernisation in the West - Back
to Tradition in the East. The Gender Division of Labour in Germany after
Unification, In: Demotrends, Heft 1, S. 9
Projektinfo
Verbundprojekt mit dem Lehrstuhl Soziologie
II der Universität Würzburg, gefördert durch die Deutsche
Forschungsgemeinschaft
Laufzeit: 4/2000 bis 3/2003
Projektleitung: Prof. Dr. Wolfgang Lipp,
PD Dr. Jan Künzler (Universität Würzburg), PD Dr. Wolfgang
Walter
Projektbearbeitung: Gerd Pfister, M.A.,
Dipl.-Päd. Elisabeth Reichart (Universität Würzburg)
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