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Forschungsschwerpunkte
Mnner in der Familie
Zur gesellschaftlichen Situation
Obwohl die Geschlechterrollen hinsichtlich
ihres Verhältnisses zueinander sehr starke gesellschaftliche Veränderungen
erfahren haben, sind sie in ihrem traditionalen Kern bis heute weitgehend
stabil geblieben. Die Frau ist trotz allen Wandels nach wie vor für
Hausarbeit und Kindererziehung verantwortlich, der Mann für die ökonomische
Absicherung der Familie. Diese sehr traditional gefassten Leitbilder widersprechen
anderen, modernen Vorstellungen: Auf weiblicher Seite ist dies die engagierte,
beruflich aktive Frau; auf der männlichen Seite das Bild des "neuen
Vaters". Diese Widersprüche führen in Bezug auf die Elterrollen
zu neuen Unsicherheiten und Schwierigkeiten.
Während die zweifellos gravierenden
Vereinbarkeitsprobleme von Berufstätigkeit und Mutterschaft, die
diese veränderten Geschlechtsrollen für Frauen zur Folge haben,
in der wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussion bereits breiten
Raum einnehmen, hat die Verunsicherung der Männer hinsichtlich ihrer
Rolle bisher kaum Aufmerksamkeit gefunden. Insbesondere ist bis heute
das Verhältnis von der Ernährerrolle und dem gesellschaftlich
veränderten Vaterbild völlig ungeklärt. Der Wandel des
Vaterbildes hin zum liebevollen, sorgenden und zeitlich engagierten Vater,
hat sich bisher weitgehend nur in den Einstellungen und Meinungen vollzogen,
während im Hinblick auf das alltägliche Handeln und Verhalten
noch ein großer Nachholbedarf herrscht. So bringen diese Veränderungen
ganz neue Anforderungen an die Vaterschaft mit sich, die mit der traditionalen
Ernährerrolle nur schwer zu vereinbaren sind.
Diesen Problemen muss verstärkt
Aufmerksamkeit zuteil werden, da sich ohne eine neu gefasste Männerrolle
weder ein neues, tragfähiges Verhältnis der Geschlechterrollen
etablieren wird noch die Vereinbarkeitsprobleme der Frauen gelöst
werden können.
Zum Forschungsstand
Die familialen Verhaltenserwartungen
an die Frau sind schon häufig Gegenstand familiensoziologischer und
-psychologischer bzw. entwicklungspsychologischer Forschung gewesen. Hinsichtlich
der Rolle des Mannes in der Familie bestehen dagegen in allen relevanten
Forschungsbereichen erhebliche Lücken. Dies gilt für den internationalen
und besonders für den nationalen Forschungsstand und zwar sowohl
für die Grundlagenforschung als auch für die angewandte Forschung
(Einen zusammenfassenden Überblick über die vorhandenen Studien
hierzu gibt W.E. Fthenakis in: Vaskovics, L.A. (Hg.) (1994): Sonderheft
"Familie" der Soziologischen Revue).
Aus dem Forschungsstand leiten sich
folgende, noch ungenügend bearbeitete Themenbereiche bzw. Fragestellungen
ab:
Die zentrale Fraggestellung bildet
die Erforschung von Rahmenbedingungen und Wirkungszusammenhängen
der Leitbilder von Geschlechter- und Elternrollen: Von besonderem Interesse
ist hier der Wandel des Vaterbildes und der Männerrolle im Verhältnis
zur gewandelten Frauen- und Mutterrolle. Eingehendere Betrachtung verdienen
in diesem Zusammenhang sowohl die in den Medien vermittelten Bilder und
deren Wandel als auch die Erwartungen der Männer und Frauen an die
Vater- und Mutterrolle. Im Mittelpunkt soll aber nicht nur der Einstellungswandel
bei Männern, Frauen und Gesellschaft unter besonderer Berücksichtigung
der vermuteten Widersprüche stehen. Vielmehr soll auch die tatsächliche
Praxis von Vaterschaft, d.h. die Ausgestaltung der Vater-Kind-Beziehung
in Abhängigkeit von zahlreichen Einflussfaktoren untersucht werden.
Geklärt werden soll demnach die Frage, wie eine neue Vaterschaft
aussehen könnte. Dabei steht bereits fest, dass es neue Väter
nicht ohne neue Frauen, neue Familien und neue Arbeitsverhältnisse
geben kann. Um diese Forschungsfragen umfassend beantworten zu können,
sind international vergleichende Studien wünschenswert.
Im Kontext der angewandten Forschung
sind vor allem die arbeitsmarktpolitischen Voraussetzungen für eine
stärkere Einbindung der Väter in die Familienarbeit von Interesse
sowie die Frage, welche Möglichkeiten dem Staat zur Verfügung
stehen, um die Beteiligung der Väter an der Familienarbeit zu erhöhen.
Dieser Aspekt soll unter Berücksichtigung anderer gesellschaftlicher
Modelle geprüft werden.
Im Rahmen dieses Forschungsschwerpunktes
sollen zudem Möglichkeiten geschaffen werden, Modellprojekte zu entwickeln
und zu evaluieren. So könnten die Forschungserkenntnisse umgesetzt
und nutzbringend in die politische, rechtliche, betriebliche und alltagsweltliche
Praxis eingebracht werden.
Durchgeführte Projekte/Projekte in Bearbeitung
Zu diesen Forschungsfragen wurden bisher zwei Forschungsprojekte
abgeschlossen:
- Väter und Erziehungsurlaub
- Zeitverwendung junger Familien - Die Zeitallokation
junger Ehemänner im Übergang zur Elternschaft
Hinsichtlich
europäisch-vergleichender Studien läuft zudem ein DFG-Projekt
zum Thema "Familiale Arbeitsteilung in der Europäischen Union"
in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Soziologie I, Universität
Würzburg (Prof. Dr. W. Lipp und Dr. J. Künzler).
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