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Forschungsschwerpunkte

Familien stehen vor der Aufgabe, den Kindern optimale Bedingungen für ihre Entwicklung zu gewähren. Sie stellen sich dieser Anforderung, selbst wenn es große Anstrengungen für sie bedeutet. Doch nicht alle Familien sind gleichermaßen fähig, diese Aufgaben zu erfüllen. So wird ein Teil der Kinder intensiv gefördert: Sie nehmen an den verschiedensten Kursen teil, bekommen pädagogisch wertvolle Spielsachen, lernen verschiedene Kulturbereiche und neue Medien kennen etc. In anderen Familien dagegen mangelt es an Basiskompetenzen, die Eltern sind in ihren Erziehungsaufgaben oder bei der Haushaltsführung überfordert, können ökonomisch nicht "mithalten". Dadurch verbreitert sich die Distanz zwischen mehr und weniger leistungsfähigen Familien: Tendenziell ist somit eine Auseinanderentwicklung der Lebensbedingungen von Kindern festzustellen. Daraus ergeben sich Problemlagen unterhalb der Schwelle, an der die traditionelle familienpädagogische Intervention einsetzt und die daher lange Zeit nicht thematisiert werden.

Diesen Tendenzen entgegenzuwirken, ist heute ein zentrales Anliegen der Familienbildung. Das Thema umspannt damit allerdings ein sehr weites Feld: Gemäß der Forderungen des § 16 SGB VIII ist darunter alles zu verstehen, was die Erziehungskompetenz stärkt. Dies lässt sich in zwei wesentliche Bereiche bündeln:

  • die Gestaltung der Angebote selbst, so dass sie den Kriterien der Niederigschwelligkeit genügen, insbesondere mit Blick auf die Nutzung von (neuen) Medien sowie die
  • Vernetzung der Angebote (inklusive deren Verbreitung und Erreichbarkeit).

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Niederschwelligkeit der Angebote

Ziel niederschwelliger Angebote ist es, Förderung und Hilfestellung an Familien heranzutragen und zwar gerade an solche Familien, die nicht privilegiert sind bzw. bislang zu den wenig aktiven Familien zählen. So soll der vielfach kritisierte "Mittelschichtsbias" der Familienbildung abgebaut werden. Diese Zielsetzung präventiver und niederschwelliger Familienbildung lässt sich allerdings nicht leicht realisieren, weil die angesprochenen Familien auch aufgrund der Verschiedenheit der Bedarfslagen schwer erreichbar sind und oft gar nicht nach Unterstützung suchen. Doch gibt es bereits recht trag- und ausbaufähige Ansätze, die zeigen, wie es gelingen kann, diesem Ziel bzw. den entsprechenden Familien näher zu kommen.

Vernetzung der Angebote

Jugendämter, Erziehungsberatungsstellen und Familienbildungsstätten gehören nicht zu den Einrichtungen, die von Eltern regelmäßig und ohne weiteres aufgesucht werden. Sie sind daher nur in bestimmten Aspekten geeignet, Familien zu fördern, zu informieren usw. Aber auch andere Anbieter haben typische Hindernisse in ihren Strukturen, die Familien den Zugang erschweren (wie Angebotszeiten, fehlende Kinderbetreuung etc.). Ein weiteres Manko lässt sich in Form der geringen Transparenz von Angeboten festmachen: Solange Anbieter jeweils individuelle Programme gestalten, fehlt es an Überblicks-Informationen, an Hinweisen auf Informationsmöglichkeiten, Anlaufpunkte usw. Die geringe Koordination hat zudem den Nachteil, dass bestimmte Veranstaltungen mehrfach von verschiedenen Trägern angeboten werden, während für andere keine Ressourcen vorhanden sind.


Zum Forschungsstand

Es gibt bereits einige Programme mit ausgesprochen niederschwelliger Konzeption (nach § 16 KJHG), deren Hauptzielsetzung in der Bekräftigung und Befähigung der Eltern besteht. Sie verfolgen damit ein wichtiges präventives Anliegen. Teils werden zur Vermittlung der Bildungsinhalte standardisierte Methoden und Materialien verwendet, teils wird eine individuell ausgerichtete Intervention aufgebaut. Bekannt sind wissenschaftliche Analysen oder Evaluationen einzelner Maßnahmen (wie z.B. des EKP-Programmes, der Peter-Pelikan-Briefe). Eine strukturierende Übersicht über vorhandene Modelle und Methoden allerdings fehlt bislang.

In Bezug auf den Aspekt der Vernetzung lässt der bisherige Forschungsstand erkennen, dass der geringe Grad der Vernetzung von Familienbildungsangeboten ein Haupthindernis für bedarfsgerechte Ansprache von Adressaten (Eltern, Paaren etc.) ist. Eine stärkere Vernetzung könnte neben erhöhter Transparenz auch Möglichkeiten erschließen, die Palette der Familienbildung zu erweitern. Sie kann in verschiedenen Formen erfolgen, z.B. Kooperation von Einrichtungen eines Trägers oder verschiedener Träger, Koordination im Rahmen der Jugendhilfeplanung, Arbeitsgemeinschaften nach SGB VIII. Fraglich bleibt, welche Strategien in welchen Zusammenhängen zielführend sind und welche Voraussetzungen für eine gelingende Vernetzung gegeben sein müssen.

Familienbildung ist ein Bereich, der vor allem in der pädagogischen Praxis eine Rolle spielt. Erst in jüngerer Zeit jedoch wurde er auf breiter Front auch politisch aufgegriffen und Gegenstand größerer Programme wie z.B. den sogenannten Bündnissen für Familien. Dies wiederum führt dazu, dass sehr viele Ideen, Modelle und Initiativen bestehen, aber bislang nur wenig Austausch und Überblick vorhanden ist. Die Projekte des ifb sollen dazu dienen, diese Situation stärker zu strukturieren und den generellen Informationsgrad zu erhöhen.

 


Durchgeführte Projekte/Projekte in Bearbeitung

Familienbildung ist schon seit längerem ein Forschungsthema des ifb. So wurden im Projekt "Bestandsaufnahme der familienbezogenen Bildungsarbeit nach § 16 SGB VIII" verschiedene Studien durchgeführt; z.B. eine Evaluation des Eltern-Kind-Programms, eine Eltern- und eine Jugendamtsbefragung zum Thema "Elternbriefe".

Aktuell werden zwei Projekte im Themenbereich bearbeit: Das Modellvorhaben zur Familienbildung: Praktische Erprobung eines Familienbildungskonzeptes läuft bereits seit eineinhalb Jahren. In diesem Rahmen fand auch die erste Fachtagung zur Familienbildung am 12. und 13. 10.2001 in Bamberg statt. Im Sommer 2001 begann die Arbeit am "Leitfaden für niederschwellige Familienbildung".